Geschichte der Bomsdorfer Feuerwehr

1. Die Entwicklung der Feuerwehr - So könnte es vor langer Zeit gewesen sein


Beginnen wir unsere Reise zum Zeitpunkt des dreizigjährigen Krieges. Die meisten Häuser in Bomsdorf waren mit Stroh bedeckt, Ziegeldächer waren wohl eher eine Ausnahme. Hinzu kommen offene Feuerstellen in den Wohnhäusern. Wieviele Brände jährlich gelöscht werden mußten, wissen wir nicht. Das Löschen der Brände mit Eimern und ähnlichen Behältnissen und die Rettung der Gebäude waren wohl eher ein Glücksspiel.

'...Während des Dreizigjährigen Krieges wird das Dorf und Gut niedergebrannt. Vom alten Schloß sind auf dem wüsten Hofe nur noch die Grundmauern zu erkennen. ...', so wird es in der Berliner Morgenpost v. 30.09.1998 beschriebnen.

Im Jahre 1842 wird in einer Verordnung des Oberpräsidenten das Feuerlöschwesen in den Städten und ab 1847 auch auf dem Land geregelt.

Zur Gründung von Feuerwehren in Deutschland um 1850, die Feuerwehr in der Zeit des Nationalsozialismus, in der Nachkriegszeit und die Feuerwehr in der DDR sollen hier keine weiteren Aussagen gemacht werden. Zahlreiche Informationen hierfür findet man im Internet (z.B. bei Wikipedia).

Im Mai 1850 brennt das Bomsdorfer Gutshaus ab. In einem Buch über eine gewisse Tante U. können wir folgenden Text lesen:

"von der Brücke vor dem Hause sehen sie (Prot v. Wiedebach und seine Gattin Adelheit), wie leichte Rauchwölckchen sich durch die Ritzen der Dachziegel drängen. ... Jeder thut sein Bestes, doch wüten die Flammen die ganze Nacht hindurch, und die aufgehende Sonne scheint auf Ruinen und Trümmerhaufen. ... Nur die Grundmauern standen ... Wie das Feuer entstanden, ist nie mit Sicherheit festgestellt worden, man hat schlecht angelegte russische Röhren, eine dem Schornstein zu nahe Flachskammer, ein Mütterchen mit einer Laterne, einen rachsüchtigen, fortgejagten Knecht in Verdacht gehabt, aber das Rätsel nicht lösen können."

Karl Gander schreibt zur Geschichte von Guben (S.342) die Gründung einer Feuerwehr in Guben am 11. Februar 1864.

Ein großer Brand in Bomsdorf war am 09. August 1886. In den Sammlungen von Günter Dittrich wird dieser wie folgt beschrieben:

... Mir kamen die Tränen, als ich mein väterliches Haus (Karl Wagner) in Flammen stehen sah. Fast alle Häuser und Scheunen waren mit Stroh gedeckt. Es war ein starker Südwestwind. Das brennende Stroh flog in der Windrichtung das Dorf entlang. Budachs Scheune ging in Flammen auf. Kretschmanns Scheune brennt, riefen die Leute. Auch Henkels Scheune war nicht mehr zu halten. Selbst Matzchens Scheune wurde ein Raub der Flamme. Es war ein schauriger Anblick, das halbe Dorf ein Flammenmeer. Zuletzt brannte auch noch das Liliesche Gehöft völlig ab. - Steidels (Noacks) hatten Brot gebacken. Funken aus der Esse sollen den Brand verursacht haben. Alle Feuerwehren der umliegenden Dörfer rückten mit ihren primitiven Handspritzen an, aber zu retten gab es nichts mehr. Man begnügte sich damit, die herrschaftliche Schäferei zu halten. - Die Brandkasse zahlte nur geringe Beträge, da es sich um strohgedeckte Gebäude handelte.

Am 11. August 1890 wird im Niederlausitzer Verlag Guben (Andreas Peter) die Gründung einer Freiwilligen Feuerwehr in Fürstenberg/Oder im 'Goldenen Löwen' durch 22 Herren erwähnt. Sie beging 1925 ihr 35jähriges Jubiläum.

Paul Fritsche - Bezirksschornsteinfegermeister - gründet 1896 die Freiwillige Feuerwehr in Friedland, so steht es in www.friedland.nl.de . Die Bildung der Gubener Berufsfeuerwehr wird auf den 01. Februar 1919 datiert.

Weitere Informationen aus der Geschichte des Gubener Feuerlöschwesens findet man im Gubener
Heimatkalender Jahrg. 1978 (S.52) od. Jahrg. 1999 (S35-37), zur Freiwilligen Feuerwehr in Fürstenberg im Eisenhüttenstädter Heimatkalender Jahrg. 1990 (S.57-62) und zur Freiwilligen Feuerwehr Eisenhüttenstadt im Eisenhüttenstädter Heimatkalender Jahrg. 1989 (S.39-41).

2. Die Gründung der FFW Bomsdorf

Der Startpunkt für die Gründung der Bomsdorfer Feuerwehr ist wohl das am 28. Dezember 1933 durch die nationalsozialistische Regierung in Preußen verkündete Gesetz über das Feuerlöschwesen (FLGFeuerlöschgesetz). Dieses Gesetz tritt mit Wirkung vom 1. Januar 1934 in Kraft. Auf jeden Fall wird man sehr viele Feuerwehrgründungen in unserer Gegend in diesem Zeitraum ermitteln können, so z.B. die Gründung der Freiwillige Feuerwehr Mixdorf am 26.01.1936 (Heimatkalender Eisenhüttenstadt Jahrg.1984).

Nach Angaben des damaligen Bürgermeisters von Gustav Fiedler (1930 -45) wird die Freiwillige Feuerwehr Bomsdorf 1934 gegründet. Die Feuerwehr war für die Dörfer Göhlen, Drewitz und Bomsdorf Kolonie zuständig. Bis 1934 war jeder Dorfbewohner verpflichtet, an der Brandbekämpung teilzunehmen. Bomsdorf erhielt eine Motorspritze, die im Stallgebäude des Pfarrhauses untergestellt war. Das Gespann hierfür stellte das Gut. Ein genaues Gründungsdatum wurde leider in keinen der vorhandenen Aufzeichnungen gefunden. Wehrleiter dieser Zeit ist Paul Kaschinski, später Karl Büttner.

Zur Mauer des Schulgrundstücks angrenzend wurde ein Feuerlöschteich gebaut, der
später wieder zugeschüttet wurde.

Ab 1934 bis zum Kriegsbeginn 1939 wurden unter Anleitung auf dem Hof des Pfarrhauses, Trockenübungen zur Brandbekämpung mit den zur Verfügung stehenden Mitteln trainiert. Da auf Anordnung der Regierung in der Nachkriegszeit alle Aufzeichnungen aus der Zeit des Nationalsozialismus vernichtet werden musten, sind derzeit leider keine weiteren Informationen verfügbar.

3. Das Feuerwehr-Löschgerätehaus erzählt die Geschichte

Mit Kriegsende 1945 wurde die Verantwortung für das Feuerwehrlöschwesen geändert. Das Feuerlöschgesetz (FLG) aus der Zeit des Nationalsozialismus wurde durch Landesgesetze und darauf basierende Verordnungen der Landesregierungen ersetzt.

Mit der Brandschutzverordnung vom 28. August 1949 und weiteren Verordnungen über das Brandschutzwesen vom 15. September 1950 wurden auch die landwirschaftlichen Betriebe in der DDR zur Abwendung von drohenden außerordentlichen Brandgefahren unterstellt.

Am 18. Januar 1956 verkündete die DDR ihr erstes Brandschutzgesetz: Das Gesetz zum Schutze gegen Brandgefahren. Mit diesem Brandschutzgesetz ist dann auch der Beginn der Modernisierung des Brandschutzes in der DDR festzustellen.

Die Zentralen Brandschutzorgane wurden durch das Gesetz zum Schutze vor Brandgefahren ermächtigt, alle erforderlichen Maßnahmen durchzuführen oder anzuordnen, um von der Gesellschaft, Einzelpersonen oder der Volkswirtschaft durch Brände oder andere öffentliche Notstände eingetretenen Gefahren abzuwehren.

Um 1950 wird ein Feuerwehrhaus in Bomsdorf gebaut. Wehrleiter der Feuerwehr ist bis ca. 1950 Karl Büttner, von dort an bis ca.1956 Günter Wagner. Der Umgang mit der Technik wird geübt und gefestigt.

Von 1963(?) bis 1981 übernimmt der Kamerad Werner Zacher die Leitung der Feuerwehr in Bomsdorf. 1966 wurde das Löschgerätehauses mit Unterstützung der Kameraden der Feuerwehr für das neue Löschfahrzeug um- und ausgebaut. Die Feuerwehr zählt 43 Kameraden. Werner Zacher gründet 1967 die Arbeitsgemeinschaft 'Junge Brandschutzhelfer' und leitet diese auch in der Oberschule Steinsdorf.

Regelmäßige Schulungen der Feuerwehrmitglieder gehören ganauso zu den Hauptaufgaben, wie auch die jährlichen Brandschutzbegehungen aller Häuser und Nebengelasse des Ortes. Der Wettkampsports kommt ins Gespräch.1970 wird mit dem Anlegen eines Feuerlöschteiches hinter dem ehemaligen Dorfkrug und Schmiede, Post und Wohnhaus, Jugendklub und später Busplatz begonnen.

Die Aktivitäten der Feuerwehr werden gegenüber der Gemeinde abgerechnet, hervorragende Leistungen werden mit einer Urkunde gewürdigt. Am 19. Dezember 1974 erfolgte die Verkündung des Gesetzes über den Brandschutz in der DDR (Brandschutzgesetz). 1979 wird ein Schlauchtrockenturm mit einer Handkurbel auf den Betonsockel neben dem Löschgerätehaus aufgestellt.

Im Rahmen des 'Mach Mit'-Wettbewerbs ist die Feuerwehr nicht weg zu denken. 1979 verlegt die Feuerwehr als Beispiel 130 m2 Gehwegplatten und 110 m Bordstein. Wehrleiter der Feuerwehr ab 1981 ist Günter Maier, ab 1985 Manfred Wittchen. 1984 wird unter Leitung von Günter Maier mit dem Ausbaggern des Dorfteiches begonnen. Nachdem der Teich vom Schlamm befreit ist wird 1985/86 eine Springfontaine installiert.

Das in der Wendezeit von 1988 - 1992 die Feuerwehr in Bomsdorf nicht all zu viele Schlagzeilen machte, hatte verschiedene Ursachen. Zum einen, gab es wie in den vorangegangenen Jahren kaum Löscheinsätze und zum anderen wurden diejenigen, die sich dem Wettkampsport verschrieben hatten immer weniger. 1993 entscheidet sich Siegfried Wittchen, die Wehrleitung der Feuerwehr zu übernehmen. Sein Stellvertreter ist Harald Klenke. Die Bomsdorfer Feuerwehr zählt 35 Mitglieder, davon 15 Rentner.

1996 bekommt die Bomsdorfer Feuerwehr ein neues Löschfahrzeug. 1998 wird das Löschgerätehaus rekonstruiert, erhält im Dachaufbau einen Schulungsraum mit einer kleinen Küche und Toiletten. Am 02. Oktober 1998 wird das neue Haus trotz Wind und Regen mit einem Fest eingeweiht.

4. Junge Brandschutzhelfer werden zu Feuerwehrmitgliedern und Wettkampfsportlern

Ziel der Arbeitsgemeinschaft 'Junge Brandschutzhelfer' ist es, schon die 'Kleinen' für die Feuerwehr auf dem Land zu gewinnen. In den Wettkämpfen wird der Umgang sowohl im Binden verschiedener Knoten, als auch das Löschen eines Feuers mit der Kübelspritze bewiesen. Die 'jungen Brandschutzhelfer' aus Bomsdorf fahren in den Sommerferien regelmäßig gemeinsam mit denen aus Göhlen, Vogelsang und Eisenhüttenstadt in die Ferienlager nach Brodowin, Schwarzheide und lange Zeit nach Bad Saarow. Dort steht neben der Erholung auch der Brandschutz auf dem Arbeitsplan.

Wie schon weiter oben erwähnt, steht Ende der 60er, Anfang der 70er der Wettkampfsport auf dem Arbeitsplan. Auch Bomsdorf nimmt an den Wettkämpfen, u.a. im Löschangriff, des Wirkungsbereichs teil. Zum Wirkungsbereich gehören die Feuerwehren der Ortschaften Bomsdorf, Steinsdorf, Coschen, Breslack und Streichwitz.

Um 1972 nimmt auch die Bomsdorfer Frauengruppe an diesen Wettkämpfen teil. Bei den Wettkämpfen schauen die 'Kleinen' auch schon mal über die Schultern der 'Großen'.

 

Mitte der 70er werden die Jugendlichen in die Diziplin des Löschangriffs eingewiesen und sind in kurzer Zeit schneller als die 'Alten'. Schon bald werden regelmäßig auf der 100-Meter Hindernisbahn im Bomsdorfer Park trainiert.

Ende der 70er ist die Bomsdorfer Feuerwehr bei den Kreismeisterschaften des Landkreises Eisenhüttenstadt nicht mehr weg zu denken. In den Diziplinen Löschangriff, 100-Meter Hindernisbahn und der 4 mal 100- Hindernisstafette werden Siege errungen. (Foto rechts: auf der Hindernisbahn in Eisenhüttenstadt 1979)

Gemeinsam mit der Berufsfeuerwehr des EKO werden Trainingslager für die Bezirksmeisterschaften in Straußberg (Mai/Juni 1982) und Fürstenwalde (23.Mai 1984) absolviert.